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Khegay neuer methodistischer Bischof in Rußland

Auf der Suche nach tapferen, demütigen Leitern

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Eduard Khegay neuer methodistischer Bischof in Rußland

 

M o s k a u – Am 1. Januar wurde der Moskauer Eduard Grigorewitsch Khegay neuer Bischof des Euroasiatischen Episkopalgebietes in der Nordeuropäischen und Zentralasiatischen Konferenz der weltweiten „United Methodist Church“ (UMC). Dabei löste er Hans Växby als Bischof ab, für den er seit 2005 als Assistent gedient hatte. Växby, ein Schwede aus Finnland, ist nun als Pensionär in die alte Heimat zurückgekehrt.

 

In einem Interview gab Bischof Dr. Khegay vor kurzem zu Protokoll, er persönlich träume von mutigen und bescheidenen Leitern. Das untermauerte er mit einem Hinweis auf John Wesley: „Ich träume davon, 100 tapfere und demütige Leiter zu finden, die ‚nichts fürchten außer der Sünde und nichts wollen außer Gott‘.“

 

Die neuen Leiter dürfen auch Leiterinnen sein. Die Tatsache, daß die Hälfte der Pastoren der russischen „Vereinigten Methodistischen Kirche“ Pastorinnen sei, macht sie höchst einzigartig in einer Umgebung, in der das ausschließlich männliche Pastorat zu den Hauptkennzeichen des russischen Christentums zählt. Methodisten sowie einige lutherische und charismatische Denominationen sind fast die einzigen Kirchen des Landes, die Pastorinnen beschäftigen. Khegay versichert: „Mir fällt es schwer, zwischen einem Leiter und einer Leiterin zu unterscheiden. Ich habe mich stets – auch zu Sowjetzeiten – in Umgebungen aufgehalten, in denen Männer wie Frauen Führungspositionen innehatten. Ich komme mit beiden gut klar. Entscheidender sind die Fragen von Charakter und Eignung.“

 

Doch nicht jeder Leiter ist bei der UMC in Rußland und Zentralasien willkommen. Dr. Khegay ist der erste Bischof in Rußland, der auch russischer Staatsbürger ist, und versichert: „Wir betonen den Aufbau einer einheimischen Führung. Wir sind eine globale Kirche, die dennoch die Bedeutung des örtlichen Kontextes begreift.“ Die theologische Ausbildung bleibt ein vorrangiges Anliegen. Dabei erwähnt der Bischof die weiteren, bis 2015 geltenden Prioritäten: ein qualitativ hochwertiger Dienst, Mission, Selbstversorgung und Diakonie.

 

Abnehmende Zahlen sind ein Grund für das Interesse des neuen Bischofs an starken Leitungspersonen. Noch vor sieben oder acht Jahren berichtete die Kirche von bis zu 5.000 russischen Methodisten; heute gibt der Bischof 2.400 Mitglieder in 100 Ortsgemeinden an. Diesen Wachstumsschwund führt er zurück auf „unser Unvermögen, sich auf einen sich wandelnden Kontext umzustellen. Im Jahre 1991 waren wir arm und die Kirche verstand es, sich den Armen zuzuwenden. Heute haben wir Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht – doch viele Gemeinden haben es noch nicht gelernt, auch ihnen zu dienen. Solche Menschen erwarten einen hochwertigen Gottesdienst. Doch längst nicht alle Gemeinden sind imstande,  ihnen Hochwertiges zu bieten.“

 

Die Methodisten möchten als Brücke zwischen den Nationen und kirchlichen Traditionen fungieren. Obgleich international strukturierte Kirchen – abgesehen von den Orthodoxen und Katholiken – kaum noch geduldet werden und alle Mitglieder eines legislativen Gremiums russische Staatsbürger sein müssen, bleibt das von Bischof Khegay geführte Episkopalgebiet für Gemeinden in sieben Staaten zuständig. Das sind vier der fünf zentralasiatischen Republiken sowie die Ukraine und Moldawien. Obwohl sich die drei baltischen Staaten als Mitglieder der Europäischen Union nun jenseits der politischen Trennungslinie befinden, versichert der Bischof: „Wir bleiben gemeinschaftlich sowie freundschaftlich verbunden und wir haben die Absicht, unser Zeugnis von Einheit vor der Welt fortzusetzen.“ Die methodistische Bewegung im Raum des russischen Zarenreichs wurde in Lettland und St. Petersburg geboren und ihr nahezu 100-prozentiges Verschwinden  während der Sowjetherrschaft hat ihr belastende Traditionen erspart, die bis heute älteren russischen Denominationen zusetzen.

 

Auf ökumenischem Gebiet bestehen herzliche Beziehungen nicht nur zu den lutherischen und reformierten Kirchen. Die Methodisten gehören zu den wenigen evangelischen Denominationen, die sich um gute Beziehungen zu pfingstlerischen und charismatischen Kreisen bemühen. Am ehesten sind es die Charismatiker, die sich auf die öffentliche Bühne begeben, und Khegay beteuert, gemeinsam mit ihnen „möchten wir die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen erfahren und beschließen, wie wir am besten Kirche sein können“. Bei ihnen könne man „neue, herausfordernde Wege, einen christlichen Dienst zu führen, entdecken.“ Er bekennt: „Ich genieße die Kraft des Heiligen Geistes und versuche sie überall zu erfahren.“ Die charismatische Bewegung möchte er an ihren Früchten messen: „Es ist wichtig, sie anhand der Schrift und anhand der Empfindungen innerhalb unserer Gemeinschaft zu prüfen. Im Laufe der Zeit erweist sich, welche Bewegungen Frucht erbringen und welche nur Lärm seien.“

 

Der Bischof siedelt seine Konferenz im konservativ-evangelikalen Bereich des Weltprotestantismus an: „Unser Kontext unterscheidet sich von vielen anderen Gegenden der Welt, aber wir bleiben dafür offen, über all das zu reden, was unsere Leute betrifft. John Wesley sagte einmal: ‚Wie denken nach und lassen zu, daß auch andere nachdenken.’“

 

Nicht alle russischen Gemeinden Wesleyanischer Tradition gehören der UMC an. Eine geringe Anzahl von Gemeinden – die Nazarener z.B. – hat unter inter-denominationellen Schirmen die juristische Registrierung erzielt. Zwei koreanisch-sprechende Gemeinden in Moskau gehören zur UMC; andere koreanische Gemeinden versammeln sich unter mehreren gesetzlichen Schirmen.

 

Die bischöfliche Biographie

Als nach dem deutschen Überfall im Juni 1941 die deutschen und baltischen Völker im Westen der UdSSR nach Osten deportiert wurden, wurde die koreanische Minderheit im sowjetischen Fernosten nach Westen deportiert. Diese Minderheiten trafen sich tief in der Mitte des Sowjetreiches – etwa in Mittelasien. Eduard Khegay, ein dem Koreanischen unkundiger Russe koreanischer Herkunft, wurde 1970 in Almaty/Kasachstan geboren. Seine Eltern gehörten der kommunistischen Partei an und er erzählt: „In den Jahren in denen ich heranwuchs, unterhielten wir uns niemals über geistliche oder religiöse Themen.“ Im Jahre 1987 zog er nach Moskau, um einem Ingenieurstudium im Bereich Hydraulik nachzugehen – ein Studium, das er erfolgreich abschloß. Während dieses Studiums wurde er in ein christliches Lager eingeladen. Das eröffnete ihm eine völlig neue Welt und er bekehrte sich 1992. Ein Hauptgesprächspartner am Anfang war der methodistische Missionar Jonathan Park. Gefragt weshalb er nach Rußland kam, erwiderte Park, er sei gekommen, um anderen von der Liebe Christi zu erzählen. Khegay war zutiefst  erstaunt und beschloß: „Entweder arbeitet dieser Mann für die CIA, oder er weiß von Dingen, worüber ich nicht die geringste Ahnung habe!“

 

Nach einer theologischen Ausbildung mit einem anschließenden Dienst als Jugendpastor in Moskau und als Pastor in Sankt Petersburg, machte der junge Geistliche 2001 den theologischen Magister-Abschluß an der „Emory University“ in Atlanta/USA. Neun Jahre später erhielt er von der Washingtoner „Wesley Theological Seminary” den „Doctor-of-Ministry“-Abschluß. Nachdem er zwei Jahre als Direktor für Gemeindeentwicklung gearbeitet hatte, war er 2003 – 2005 Superintendent für den Petersburger Raum. Während er als Assistent des Bischofs arbeitete, diente er 2009 - 2011 gleichzeitig als Superintendent für das Gebiet Zentralasien.

 

Eduard Khegay darf höchstens für 12 Jahre als Bischof seiner Kirche fungieren; die laufende, erste Amtsperiode geht nach acht Jahren zu Ende. Er ist mit Viktoria verheiratet; das Paar hat eine 11-jährige Tochter, Liudmila

 

Dr.phil. William Yoder

Berlin, den 1. März 2013

 

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