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Es ist zulässig, „Hans-Ulrich Rudel als großen Soldaten zu ehren“

Ein Gespräch mit Professor Klaus Motschmann

 

Professor Klaus Motschmann, Vater des 18-jährigen Verfassers des berüchtigten Rudel-Artikels in der Berliner Schülerzeitung "Klartext", Markus Motschmann, bezeichnet die Veröffentlichung dieses Aufsatzes als "politisch instinktlos“ und „einen schweren Fehler". Er fügt dennoch hinzu: „Damit haben die Jungs kein Bekenntnis zum Neonazismus abgelegt."

 

Ferner meinte der Professor, der Artikel wollte Hans-Ulrich Rudel "nur als großen Soldaten ehren“. Die Bundeswehr, falls sie tatsächlich die Trauerfeier des Verstorbenen mit Maschinen überflog, wollte ebenfalls "nur den Soldaten ehren“. In Deutschland sei es merkwürdigerweise zulässig, zwischen dem "unverbesserlichen Kommunisten“ Berthold Brecht als Politiker und Dramatiker zu unterscheiden, nicht aber zwischen dem "Politiker" und Soldaten Oberst Rudel.

 

Am allermeisten bedauert Motschmann Senior aber die „aufbauschende'' Reaktion seiner eigenen CDU. Da nun insbesondere innerhalb der Jungen Union die "Konservativen" die Oberhand gewinnen, wußten sich die "Linken" nur dadurch zu wehren, daß sie die verantwortlichen Redakteure als "Neonazis" diffamierten. "Das ist immer ein wirksames Mittel, um Konservative mundtot zu machen und einzuschüchtern,“ meinte er. Es sei doch legitim, wenn sich die "Jungs“ in Zukunft  "einer härteren Gangart“ als der Linie (Richard) Weizsäckers erhoffen.

 

Das Gespräch über ein Parteiausschlußverfahren sei völlig „unangemessen", denn "man sagt doch dauernd, man solle den Dialog mit der Jugend führen und nicht gleich das stärkste Geschütz auffahren.“ Da die CDU in der Öffentlichkeit wenig Verständnis für den Redaktionskreis gezeigt habe, wolle er die „Jungs“ nun auf keinen Fall ebenso "allein lassen“.

 

Nach seiner Einschätzung liegt es auf der Hand, daß es sich bei den Redakteuren um keine Neonazis handele, denn sie wenden sich ja eindeutig gegen "jede politisch extreme Lehre an den Schulen" sowie gegen jegliche „Gewaltanwendung in der Politik ".

 

Motschmann, Professor für Politologie an der Berliner Hochschule der Künste, ist stellvertretender Vorsitzender der von Reinhold George geleiteten Evangelischen Sammlung. Im Jahre 1976 gab Motschmann gemeinsam mit Helmut Matthies das Buch "Rotbuch Kirche" heraus. Matthies, mit dem Motschmann gut befreundet ist, ist Chefredakteur des „Informationsdienstes der Evangelischen Allianz" (idea).

 

Bill Yoder

Berlin, den 10. März 1983

 

Erschienen im Evangelischen Pressedienst, Landesdienst Berlin, 11. März 1983, 314 Wörter

 

Anmerkung von Januar 2022: Der Politologe Klaus Motschmann lebte von 1934 bis 2016; der Sohn Markus Motschmann ist gegenwärtig Augenarzt in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) und engagiert sich politisch für die AfD. Der Theologe Reinhold George lebte von 1913 bis 1997.

 

Helmut Matthies (geb. 1950) war von 1972 bis 2017 Leiter des Informationsdienstes „idea“. Insider versicherten wiederholt, die „idea“ habe trotz ihres Namens ein sehr eigenständiges Leben am Rande der Deutschen Ev. Allianz geführt.

 

Nach dem II. Weltkrieg war der gefeierte Flieger Oberst Hans-Ulrich Rudel (geb. 1916) nach Südamerika geflohen, wo er für mehrere Diktaturen arbeitete. Dort sowie in Deutschland setzte er sich jahrelang für rechtsextremistische Anliegen und Parteien ein. Bei seiner Beisetzung in Dornhausen (Mittelfranken) am 22. Dezember 1982 haben Maschinen der Luftwaffe das Gebiet in verdachtserregender Nähe überflogen.