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Ingo Rockmann wird neuer Pastor in Gusev/Gumbinnen

Wiederauflebende Kirchen sind spannend

 

Am 30. August traf Pfarrer Ingo Rockmann aus seiner Heimat in Lutherstadt Eisleben im Kaliningrader Gebiet ein. Schon am nächsten Tage wurde er in einem feierlichen Gottesdienst vor 250 Menschen als Pastor der Salzburger Gemeinde zu Gusev/Gumbinnen eingeführt. Somit wurde er Nachfolger von Heye Osterwald, der seit sechs Jahren Pastor dieser und der umliegenden Gemeinden gewesen war, und nun Propst mit Sitz in Kaliningrad/Königsberg geworden ist.

 

Schon 1991 war Pastor Rockmann mit einer Gruppe aus dem „Evangelischen Jugenddienst für Ost-West-Begegnungen“ zum ersten Mal in unserem Gebiet gewesen: Das gelang als Stippvisite mit Einreise über die Kuhrische Nehrung. Und schon damals, erzählt er, hatte er beschlossen, dass er in diesem Gebiet gerne Dienst tun würde. Doch warum eigentlich? „Es ist immer schön, in einer wieder auflebenden Kirche mitzuarbeiten,“ sagt er, „trotz all der Schwierigkeiten, die ein Anfang mit sich bringt. So etwas ist sehr interessant, und gerade da möchte ich mich einbringen.“

 

Der 1958 im Mansfelder Land geborene Pfarrer und Sohn des Inhabers einer Klempnereifirma bringt für die Aufbauarbeit in diesem Gebiet beste Voraussetzungen mit. Anfang dieses Jahres erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Band für seine Verdienste um den Wiederaufbau alter Kirchen. Das zeigt, dass er vom Geldsammeln und Organisieren etwas versteht. Er meint: „Ich habe gelernt, dass viele sogenannte Laie in der Gemeinde auch selbständig arbeiten können - man muss es ihnen nur zutrauen. Man darf ihnen eigene Arbeitsbereiche übergeben, der Pastor muss nicht überall die Oberaufsicht haben. Dann entstehen viele gute Dinge.“

 

Auf diese Erkenntnisse musste Ingo Rockmann notgedrungen kommen. Nach dem Theologiestudium in Naumburg und Berlin-Ost war er 1986 Pfarrer und Studentenpfarrer in der Lutherstadt Eisleben geworden. Dank der Einsparung von Pfarrerstellen hatte er schließlich die Arbeit zu bewältigen, die einst von fünf Pfarrern getragen worden war. Er wurde somit Pfarrer von fünf Stadt- und Landgemeinden.

 

Auch vom Ökumenischen versteht Pfarrer Rockmann etwas: Der erste regionale, ökumenische Kirchentag Deutschlands fand 1996 in Eisleben statt. „Etwas von dieser Erfahrung möchte ich gerne mitbringen,“ sagt er. Ökumenisch möchte er „mit so vielen Leuten wie möglich zusammenarbeiten“. Überhaupt wünscht er sich in unserem Gebiet eine europäische, nach allen Seiten hin offene Kirche. „Wir müssen Kirche im Kontext der Gesellschaft dieses Gebietes sein,“ sagt er, „und dieser Kontext kann nur ein europäischer sein“. Gleichzeitig hofft er auf eine eigenständige Kirche, die nicht für immer „am Tropf anderer Kirchen hängt“. In den Ordinationen von zwei Einheimischen am 31.8. und 1.9. sieht er Hoffnungszeichen für eine zunehmende Eigenständigkeit.

 

Aber trotz aller Aufgaben befasst sich Ingo Rockmann nicht nur mit Arbeit. Beim Umzug des Junggesellen in unser Gebiet war ein fünfter Koffer für das Haustier nicht mehr vonnöten, denn das Haustier war bereits verstorben. Beim Haustier handelte es sich um eine Schlange der Gattungsart Königspython mit einer Länge von fast zwei Metern. Zwei Hobbys des Pastors ergänzen sich: Bei einem anderen Hobby - der Gärtnerei - sind seine Kenntnisse der Terraristik (Reptilien) hilfreich. Denn gerade der Gärtner Rockmann braucht keine Angst zu haben wenn in seiner Nähe ein dünnes, glitschiges Reptil durch die Gräser gleitet.

 

Dr. William Yoder

Kaliningrad, den 8. September 2002

 

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