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Russen im Westen noch Fremdlinge

Russische Union der Baptisten auf der Ökumenischen Versammlung von Sibiu vertreten

 

M o s k a u -- “Der europäischen Gesellschaft sind wir Russen noch Fremdlinge - das trifft auch für mich zu.” So drückte sich Witali Wlasenko (Moskau), Leiter der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), nach der gedämpften Reaktion auf den Vortrag des Metropoliten Kyrill auf der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu (Hermannstadt) am 5. September aus. Kyrill, der russisch-orthodoxe Metropolit von Smolensk und Kaliningrad, hatte zu einer Wiederbelebung des europäischen Konservativismus und der christlichen Gesellschaft aufgerufen. Wlasenko stimmte ihm dabei in vielem zu. Der Kontrast zwischen Ost und West wurde gesteigert dadurch, daß der Vorredner, der deutsche Kardinal Walter Casper, ein äußerst beliebter Vertreter der Ökumenischgesinnten Westeuropas ist.

 

Wlasenko, abgesehen vom Baltikum der einzige protestantische Delegierte aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, fügte hinzu: „Darum auch ist unsere Mitarbeit bei der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) höchst wichtig. Wir müssen den europäischen Geist kennenlernen – schließlich gehören auch wir zu Europa! Wir müssen uns auch mit dem katholischen Standpunkt vertraut machen. Sibiu war für den Gesprächsaustausch hervorragend geeignet – auch für den Austausch über unsere Lage als Protestanten in Rußland.“ Die KEK war ein Hauptveranstalter dieses Treffens, nur die dritte Begegnung dieser Art von den größten katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen Europas. Vom 4. bis 9. September hatten sich 1.500 Delegierte sowie 1.000 weitere interessierte Christen und Journalisten in der rumänischen Stadt versammelt.

 

Mit anderen Baptisten teilen russische Baptisten ein gemeinsames Bekenntnis; mit den Russisch-Orthodoxen teilen sie Sprache und Kultur. Diese Brückenfunktion zeigte sich in den Äußerungen Wlasenkos bezüglich der russisch-orthodoxen Delegierten: „Wir hatten eine richtig schöne Zeit, wir führten eine Menge Gespräche. Alle 20 von ihnen waren sehr hilfreich und offen. Sie waren bereit, über alle nur denkbaren Themen zu reden.“ Seine Unterhaltungen mit den 20 baptistischen Delegierten aus vielen europäischen Staaten fielen nicht weniger herzlich aus. „Sie haben mich voll angenommen. Sie waren sehr dankbar, daß unsere Union gekommen war. Es gibt theologische Meinungsverschiedenheiten unter uns und wir reden verschiedene Sprachen, aber wir haben eine wahre Brüder- und Schwesternschaft erlebt. Wir waren in unserer Liebe für Jesus Christus vereint.“

 

Anschließend in der Moskauer Zentrale der Baptisten merkte Wlasenko an, daß sich das am 20. Dezember letzten Jahres geschaffene, dreiköpfige (katholisch – orthodox – protestantische) „Christliche Interkonfessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee) noch kein einziges Mal getagt hat. Man hofft, daß Gespräche auch außerhalb Rußlands den zwischenkirchlichen Dialog verstärken und zu einem Durchbruch für dieses Komitee führen könnten.

 

Trotz aller fröhlichen Begegnungen in Sibiu merkt der Leiter für Außenbeziehungen an, daß sich die russischen Baptisten nicht als Teil einer ökumenischen Bewegung im Sinne des Genfer Weltrats der Kirchen verstehen. „Nur indirekt sind wir Mitglieder der KEK. Die Europäische Baptistische Förderation (EBF) ist ein Mitglied der KEK, und wir sind ein Mitglied der EBF.“

 

Eine Stellungnahme der baptistischen Delegierten, die in Sibiu zugegen waren, beschwert sich über die Tatsache, daß das Schlußdokument der Versammlung baptistische Bedenken nicht berücksichtigt. Aufgrund stark abweichender Verständnisse in der Tauffrage, können sich Baptisten nicht vorstellen, daß die Taufe das einigende Moment für die Kirchen Europas sein könnte.

 

Die RUECB, die größte protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 78.000 erwachsene Mitglieder in 1,740 Ortsgemeinden und Gruppen. Ihr Präsident ist Pastor Juri Sipko.

 

Dr. William Yoder

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB

Moskau, den 13. September 2007

 

Eine Presseerklärung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 07-33, 521 Wörter