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Baptistische Denominationen wollen verstärkt zusammenarbeiten

Vergeben, wem Gott vergeben hat

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Öffentlicher Rat der russischen Baptisten tagt erneut in Moskau

 

M o s k a u -- Beim bedeutenden Moskauer Treffen von über 150 Vertretern der Kirchen baptisti­scher Tradition am 16. Februar 2007 hatte Juri Sipko (Moskau), Präsident der Russi­schen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB), ein „Jahr der Verzeihung“ proklamiert. Nun haben sich am 4. Dezember 50 Kirchenvertreter auf Einladung des „Öffentlichen Rats“ (Obschestwenii Sowjet) in der Moskauer Zentrale der RUECB versammelt, um das Jahr Revue passieren zu lassen. Mindestens fünf der 10 Kirchenbünde baptistischer Tradition, die dem im Juni 2006 geschaffenen Öffentlichen Rat angehören, waren vertreten.

 

In der Aussprache am 4. Dezember wurde festgestellt, daß ein Versöhnungspro­zeß angelaufen ist: „Gemeinden und Pastoren haben sich nach Jahren der Entfremdung wieder verständigt.“ Dabei wurde unterstrichen: „Wer den Frieden finden will, muß sich von eigenen Ambitionen lossagen. Wem Gott vergeben hat, müssen auch wir verge­ben.“

 

In seiner Ansprache betonte Alexei Smirnov (Dedovsk), Leiter der Abteilung für die Betreuung von Pastoren bei der RUECB: „Nicht nur der Brüderschaft wegen ist die Aussöhnung notwendig. Die Leute von draußen, die uns als Bewohner desselben Dorfes ansehen, haben nichts außer Sarkasmus und einem spöttischen Lächeln für uns übrig. Es ist sehr wichtig, daß wir uns in Richtung Einheit bewegen.“

 

Mit Bewunderung nahm der Kreis zur Kenntnis, daß der Streit um Kleinigkeiten eine lange Tradition hat. Alexei Sinitschkin, Mitarbeiter der Abteilung für Theologie und Katechismus bei der RUECB, berichtete, daß sich die Bewegung 1920 um die Einigung zweier Unionen – der evangelischen und der baptistischen - stritt. Neben Fragen der Leitung, der Taufe und des Gemeindeausschlusses wurde auch um einen Bindestrich gekämpft: Sollte der neue Bund „Evangelische Christen und Baptisten“ oder „Evangelische Christen-Baptisten“ heißen? Sinitschkin fügte hinzu: „Debatten über derartige Fragen zogen sich manchmal über drei Tage hin. Hier entzündeten sich die Streitigkeiten an einem einzigen Wort. Wir sind noch immer solche Leute.“

 

Doch dazu hieß es in der Aussprache: „Es ist nicht zulässig, ausschließlich auf unsere Vergangenheit zu starren. Jetzt müssen wir das Evangelium gemeinsam verkündigen und uns um eine vollständige Einheit in Zukunft bemühen.“

 

Im Nachgespräch über das zu Ende gehende Jahr meinte Pastor Walentin Wasilizhenko (Moskau), Sekretär des Öffentlichen Rats: „Die Beziehungen zueinander werden ständig wärmer und intensiver. Jetzt überlegen wir uns gemeinsame evangelistische und humanitäre Projekte.“ Über die 1961 abgespaltenen und weiterhin unregistrierten „Initiativniki“, die heute unter dem Namen „Internationale Union der Kirchen der ECB“ firmieren, berichtete er, daß sie sich in einer Umbruchphase befänden. Im vergangenen Juli ist ihr Präsident Gennadi Krjutsch­kov nach 32 Amtsjahren verstorben. Inzwischen wurde ein neues Leitungsgremium gebildet. Die Internationale Union, die heute in Rußland nicht mehr als 20.000 Gläubige vertritt und in der Stadt Tula ihren Hauptsitz hat, war bei der Sitzung am 4. Dezember dabei. Im Öffentlichen Rat hat sie Beobachterstatus.

 

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

 

Dr. William Yoder

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB

Moskau, den 11. Dezember 2007

 

Eine Pressemeldung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 07-54, 455 Wörter