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Nach sieben Jahren treffen sich Orthodoxe und Protestanten wieder

Ein großartiges Treffen

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Interkonfessionelles Komitee trifft sich zum ersten Mal seit sieben Jahren

 

M o s k a u – Nach fast siebenjähriger Pause tagte am 2. Oktober im Moskauer Pilger-Zentrum der Orthodoxie das aus Katholiken, Orthodoxen und Protestanten bestehende „Christliche Interkonfessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC). Die Begegnung hatte die Überschrift: „Das Christentum in der heutigen Welt – national und global“. Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbe­ziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) und Vertreter der Protestanten im dreiköpfigen Führungsteam, meinte hierzu: „Das war ein großartiges Treffen.“ Er zeigte sich überrascht und erfreut über die Ehrlichkeit und Offenheit, die die 25 Kirchenführer aus Armenien, Lettland, Belarus und Rußland während des geschlossenen, fünfstündigen Teils der Begegnung zeigten.

 

Danach berichtete der Baptistenpastor von dem Schmerz und Affront, den Russen empfinden, wenn das gesamte Volk für die Verfehlungen und Verbrechen der verblichenen Sowjetunion verantwortlich gemacht wird. Josef Stalin war Georgier mit ossetischer Mutter; sein langjähriger Chef der Geheimpolizei, Lawrenti Beria, war Mingrelier aus Abchasien. Tscheka-Gründer Felix Dserschinski war ein weißrussischer Pole. Nikita Chruschtschow, Parteichef von 1953 bis 1964, stammte aus der Ukraine. Nur die Hälfte aller Bürger der Sowjetunion waren ethnische Russen. Pastor Wlasenko wies darauf hin, daß auch Millionen von Russen vom sowjetischen Staat verfolgt wurden.

 

Wlasenko freute sich über die Äußerung eines Repräsentanten der armenischen Orthodoxie, der fragte: „Haben wir uns jemals bedankt für das Gute, das unsere Völker zum Wohl anderer vollbracht haben? Nach dem II. Weltkrieg hat der sowjetische Staat sehr viele Häuser und Fabriken wiederaufgebaut.“ Wlasenko fügte hinzu: „Viele von uns ehemaligen Bürgern der Sowjetunion möchten freundschaftlich verbunden bleiben. Es sind jedoch unsere Regierungen, die einen Keil zwischen uns treiben. Die Staaten bürden die gesamte Schuld einer einzigen Nation auf; kleine Staaten werfen den größeren Ausbeutung vor.“ Er vertrat die Auffassung, viele Ukrainer hätten in ungerechter Weise nur die negativen Aspekte der russischen Nation hervorgehoben.

 

Bei der Begegnung am 2. Oktober wurde beschlossen, ein Sekretariat ins Leben zu rufen, das für die Planung und Gestaltung der Arbeit des CIAC verantwortlich ist. Das Sekretariat wird in Räumlichkeiten des Moskauer Patriarchats eingerichtet werden. Die aktivsten Mitarbeiter des Sekretariats werden wohl Erzpriester Wsewolod Tschaplin und Vater Igor Wyzhanow vom orthodoxen Außenamt sein. Neben Wlasenko gehören Kyrill, Metropolit von Smolensk und Kaliningrad und Leiter des orthodoxen Außenamtes, sowie Pawel Pezzi, der römisch-katholische Erzbischof der Moskauer Diözese, zum Führungsteam des CIAC.

 

Bei Beratungen mit der in Genf beheimateten „Konferenz Europäischer Kirchen“ (KEK) in Moskau im Februar 2007 war beschlossen worden, das CIAC wiederzubeleben. Geschaffen 1993 um das Gespräch zwischen den Kirchen in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu erleichtern, führte das CIAC in den Jahren 1994, 1996 und 1999 wichtige Konferenzen durch. Im Jahre 2001 wurde sogar eine Jugendkonferenz abgehalten. Diese Aktivitäten wurden jedoch jäh unterbrochen nachdem der Vatikan im Februar 2002 beschlossen hatte, seine nichtregionalen „Apostolischen Administraturen“ auf russischem Boden in vier regionale Diözesen umzuwandeln. Dies war nach orthodoxer Überzeugung ein flagranter Verstoß gegen das kanonische Recht. Zum Hintergrund des jetzigen Durchbruchs erläuterte Metropolit Kyrill beim Pressegespräch am 2. Oktober: „Ich kann nicht behaupten, daß alle strittigen Fragen gelöst worden seien und, daß sich alles absolut normalisiert habe. Aber es ist eine Tatsache, daß wir uns aktiv in Richtung einer Überwindung dieser Schwierigkeiten bewegen.“

 

Pastor Wlasenko meinte später: „Ich möchte unterstreichen, daß diese Begegnungen kein Bestandteil der ökumenischen Bewegung sind. Das CIAC ist jedoch eine wichtige Plattform für das zwischenkonfessionelle Gespräch über unsere Vergangenheit und Zukunft.“ Zu den prominenten Teilnehmern beim Treffen zählte Edmund Ratz (St. Petersburg), Erzbischof der „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rußland, Ukraine, Kasachstan und Mittelasien“. Protestanten bildeten die Mehrheit bei dieser Begegnung am 2. Oktober.

 

Dr. William Yoder

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB

Moskau, den 6. Oktober 2008

 

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-43, 580 Wörter.