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Russische Kirche will Georgien besuchen

Den Dialog durch Taten ergänzen

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Interkonfessionelles Komitee in Rußland bereitet einen Besuch in Georgien vor

 

M o s k a u – Noch vor Jahresende will das in Moskau ansässige „Christliche Interkon­fessionelle Beratungskomitee“ (Christian Inter-Confessional Advisory Committee – CIAC) eine Delegation von Katholiken, Orthodoxen und Protestanten nach Georgien entsenden. Der Protestant im dreiköpfigen Leitungsgremium des CIAC, der Baptistenpastor Witali Wlasenko (Moskau) erläuterte: „Wir müssen dorthin fahren und uns mit Staats- und Kirchenvertretern, und den Menschen überhaupt, treffen. Wir müssen begreifen, was sich dort abspielt und erfahren, wie wir am besten helfen können. Die russischen Kirchen haben sich in Südossetien stark engagiert, doch für Georgien haben wir bisher sehr wenig getan. Ich hege die Hoffnung, daß sich nicht nur Wörter, sondern auch Taten, aus dem anhaltenden, kirchlichen Dialog zwischen Rußland und Georgien ergeben werden. Wlasenko, der Leiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten (RUECB) ist, meinte, daß angesichts der großen Vielfalt christlicher Gruppen in Georgien, eine Delegation mit orthodoxer und katholischer Beteiligung viel hilfreicher sein würde.

 

Der Wunsch zur Bildung einer russischen Delegation ist ein Ergebnis des Tref­fens zwischen führenden Baptisten aus Rußland, der Ukraine und Georgien in Irpen unweit von Kiew am 30. Oktober. Da RUECB-Präsident Juri Sipko (Moskau) Ende September nicht mit Wlasenko zum Rat der Europäischen Baptistischen Föderation in Lissabon gefahren war, hatte der baptistische Erzbischof von Georgien, Malkhaz Songulashvili (Tiflis), um ein weiteres Gespräch zwischen den beiden Seiten gebeten.

 

Pastor Wlasenko beschrieb das Gespräch in Irpen als „außerordentlich herzlich“: „Wir sind alte Freunde und haben uns dementsprechend unterhalten. Ich verspürte Liebe und eine völlige Akzeptanz. Diese hervorragende Atmosphäre wird ein gutes Fundament für künftige Gespräche sein.“ Er räumte ein, daß Sipkos Fehlen in Portugal Restzweifeln bezüglich der Verpflichtung der RUECB zu einer tiefergehenden Beziehung mit Georgien Auftrieb verlieh. Durch seine Handlungen in Irpen habe Präsident Sipko jedoch „bewiesen, daß wir tatsächlich die Hand der Freundschaft den Georgien entgegenstrecken. Es hat drei sehr positive Entwicklungen in Folge gegeben: unsere Stellungnahme zur Freundschaft im August sowie die Begegnungen in Lissabon und Irpen. Sie beweisen, daß wir russische Baptisten es mit unseren Beziehungen zu den georgischen Baptisten ernst meinen.“

 

Der Direktor für kirchliche Außenbeziehungen wies jedoch darauf hin, daß eine völlige Übereinstimmung noch nicht erreicht worden sei, „aber wir bauen weiter an einer Beziehung, die tief nach innen geht. Wir wollen mehr über unsere Differenzen erfahren und wir hoffen darauf, Einheit in der Vielfalt zu erzielen. Jede Landesunion hat das Recht, ein Unikum zu sein. Wenn ihre besonderen Traditionen uns dazu verhelfen, Gott besser zu verstehen und einander noch inniger zu lieben, dann wird das uns allen sicherlich eine Hilfe sein.“

 

Die Einführung von Ikonen und orthodoxartiger Amtskleidung bei baptistischen Geistlichen in Georgien hat zu Stirnrunzeln in der baptistischen Welt – erst recht in Osteuropa - geführt. Die georgischen Baptisten verstehen sich inzwischen als eine episkopale, hierarchisch-gegliederte Kirche. Sie sind keine kongregationalistische, baptistische Union im herkömmlichen Sinne mehr. Pastor Wlasenko ist nicht bekannt, wie die georgische Orthodoxie auf diesen Wandel reagiert hat und möchte gerne bald vor Ort persönlich die Orthodoxen dazu befragen.

 

Dr. William Yoder

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB

Moskau, den 3. November 2008

 

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 08-51, 482 Wörter.