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Die russische Orthodoxie hat eine eigene Gegen-Ökumene

 

Der Patriarch hat Wort gehalten

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Das Moskauer CIAC plant eine Konferenz für alle christlichen Konfessionen

 

M o s k a u – Für den 4. Februar 2010 ist eine konfessionsübergreifende Moskauer Konferenz geplant, die die Werte der christlichen Familie hervorhebt. Das war ein Hauptergebnis des Gesprächs von fast 20 kirchenleitenden Persönlichkeiten in den Räumlichkeiten der Russischen Orthodoxen Kirche – Moskauer Patriarchats (ROK) in Moskau am 15. Oktober. Die Möglichkeit einer noch viel größeren Jugendkonferenz im Sommer 2010 wurde ebenfalls erörtert – eine derartige Konferenz fand letztmals 2001 statt.

 

Die Sitzung am 15. Oktober war erst die zweiten Begegnung des „Christlichen Interkonfessionellen Beratungskomitees“ („Christian Inter-Confessional Advisory Committee for the CIS-Countries and Baltics“ – CIAC) seit 2001. Geschaffen 1993 um das Gespräch zwischen den drei großen christlichen Konfessionen im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu fördern, führte es in den Jahren 1994, 1996 und 1999 wichtige Konferenzen durch. Diese Aktivitäten wurden jedoch im Februar 2002 jäh unterbrochen nachdem der Vatikan beschlossen hatte, seine nichtregionalen „Apostolischen Administraturen“ auf russischem Boden in vier regionale Diözesen umzuwandeln. Dies war nach orthodoxer Überzeugung ein flagranter Verstoß gegen das kanonische Recht.

 

Das CIAC wird nun von Ilarion, dem Erzbischof von Wolokolamsk und seit Anfang 2009 Leiter des ROK-Außenamts, Pawel Pezzi, dem Römisch-Katholischen Erzbischof der Diözese Moskau, und Pastor Witali Wlasenko, Direktor für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, angeführt. Wlasenko vertritt in dieser Eigenschaft sämtliche protestantischen Kirchen Rußlands. „Der Patriarch hat Wort gehalten,“ folgerte Wlasenko nach dem Gespräch am 15. Oktober. Beim letzten Treffen des CIAC am 2. Oktober 2008 hatte der damalige Metropolit Kirill versichert, die interkonfessionellen Verbindungen würden ausgebaut, auch wenn „ich nicht behaupten kann, daß alle strittigen Fragen gelöst worden seien“.

 

In einem Gespräch nach der Begegnung erläuterte Wlasenko, in der gegenwärtigen Phase erneuter Annäherung müßten die größten gemeinsamen Nenner hervorgekehrt werden. Eine orthodoxe Meldung nach der Begegnung am 15. Oktober beschreibt den Kampf gegen Drogen, Alkoholismus, Pornographie, den „Kult von Konsum und Gewalt“, Abtreibung und Selbstmord als einigende Basis für alle Christen. „Wir müssen mit dem anfangen, worüber wie uns alle einig sind,“ sagte der Baptist. „Sobald ein stärkeres, vertrauensvolleres Verhältnis erreicht ist, können wir uns den komplizierteren und eher strittigen Themen zuwenden.“ Die mögliche Jugendkonferenz im kommenden Sommer könnte sich eventuell mit Fragen der christlichen Partnersuche und -findung befassen.

 

Trotz angestiegener Besorgnis protestantischer Kreise über eine neue, noch restriktivere Gesetzgebung betonte Wlasenko den sehr herzlichen und freundschaftlichen Ton dieser Gespräche. „Die Einstellung der Menschen war sehr offen. Es herrschte ein Geist christlicher Liebe und Akzeptanz vor.“

 

Weitere gegenwärtige Entwicklungen

Der neue, vom Justizministerium am 12. Oktober vorgeschlagene Gesetzentwurf würde alle missionarisch aktiven Ausländer zwingen, ein „religiöses“ Visum zu beantragen. In der Vergangenheit war es wiederholt sehr schwierig geworden, ein solches Visum zu ergattern. Jeder Missionar, auch ein russischer Staatsbürger, die in öffentlichen Einrichtungen - etwa in Krankenhäusern, Waisenhäuser und Schulen -  auftreten möchte, müßte sich erst einmal von der örtlichen Staatsvertretung eine Genehmigung holen. Die Orthodoxen scheinen im Wesentlichen mit dem Gesetzentwurf einverstanden zu sein. In der Pressemeldung über das Treffen am 15. Oktober wird Ilarion so zitiert: „Bei der Vorbereitung von Missionaren wird es erforderlich sein, die Problematik (grober Attacken auf die Kirche) anzusprechen. Die Mission darf nicht in Proselytismus ausarten.“

 

Doch der orthodoxe Theologe und Priester Andrei Kurajew (Moskau) sieht den neuen Gesetzentwurf als bürokratischen Alptraum an und fordert, das Missionieren genau zu definieren. „Ist nicht jeder Gläubige auch ein Prediger?“ fragte er. „Die Großmutter, die ihre Nachbarn im Zug anspricht, könnte man ja auch als Missionarin und Predigerin bezeichnen. Wir können doch nicht jedes Gemeindeglied mit einem Unbedenklichkeitszeugnis ausstatten. Die Apostel waren auch völlig ohne jegliche Dokumentation.“

 

Die RUECB, die größte einheitliche, protestantische Kirche Rußlands, vertritt rund 80.000 erwachsene Mitglieder in 1.750 Ortsgemeinden und Gruppen.

 

Dr. William Yoder

Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB

Moskau, den 16. Oktober 2009

 

Eine Veröffentlichung der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten. Zur Veröffentlichung freigegeben. Meldung Nr. 09-30, 592 Wörter oder 4.497 Anschläge mit Leerzeichen.