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Evangelische Allianz zu Gast in Kemerowo/Sibirien

Uns ist die Absprache wichtig

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In Kemerowo/Sibirien lebt das Anliegen der Evangelischen Allianz

 

M o s k a u -- In der Stadt Kemerowo wird bereits seit 10 Jahren der Allianz-Gedanken gepflegt. Das erfuhren drei Vertreter der Russischen und Deutschen Evangelischen Allianz, als sie am 19. und 20. November diese westsibirische Stadt im Kohlenrevier 3.600 Kilometer östlich von Moskau besuchten. Anläßlich dieses Besuches versammelten sich am 19. November 12 Vertreter der pfingstlerischen, charismatischen, adventistischen und baptistischen Gemeinden in der Hauptgemeinde der „Russischen Union der Evangeliums­christen-Baptisten“. Witali Bak, der Hauptpastor dieser Gemeinde und Leiter eines überkonfessionellen „Pastorenrats“ berichtete, daß sich dieser Kreis seit vier Jahren regelmäßig versammelt. „Uns ist die Absprache untereinander wichtig,“ erläuterte er. Obwohl es bereits seit 95 Jahren eine Baptistengemeinde an diesem Ort gibt, gestalten sich die Beziehungen zur Orthodoxie und zur Kommune weiterhin schwierig. Nachdem im vergangenen Sommer die Baptisten Baustoffe im Wert von 15.000 Euro zum Bau eines Begegnungszentrums auf ein leerstehendes Grundstück gebracht hatten, traf der städtische Befehl ein, das gesamte Vorhaben abzubrechen.

 

„Wir Evangelischen kommen gut miteinander klar,“ versicherte Pastor Bak. Er erzählte ferner, daß etwa einmal im Quartal überkonfessionelle Begegnungen stattfinden, bei denen einzelne Gemeinden und Konfessionen sich vorstellen können – auch Katholiken sind bereits dabei gewesen. Inzwischen finden zu Weihnachten kleine, überkonfessionelle Feten unter den Pastoren statt, bei denen auch die Ehefrauen eingeladen sind. „Es sollen sich nicht nur die Pastoren kennenlernen,“ meinte Bak. Unter den Protestanten sind es nur die nichtregistrierten Baptisten und versprengte Grüppchen von Charismatikern, die sich diesem überkonfessionellen Gespräch entziehen. Das steht im Gegensatz etwa zu Nowosibirsk, wo sich die meisten Baptistengemeinden gegen eine Zusammenarbeit mit Charismatikern und Pfingstlern sperren.

 

In Kemerowo wird das Gedeihen des Allianz-Gedankens aber gebremst dadurch, daß das Fußvolk die mahnenden Worte seiner Leiter nicht immer beherzigt. Viele sind auf das Missionieren getrimmt und stellen das auch nicht dann ein, wenn sie auf andere Protestanten stoßen. Das Abwerben bleibt auf der Tagesordnung - daran nehmen nicht nur Orthodoxe Anstoß. Diese Laienmissionare neigen dazu, auf den Rand hinzuweisen: die Tauffrage bei Baptisten, der Sabbat bei den Adventisten und der Heilige Geist bei den Pfingstlern und Charismatikern. „Wir müssen auf das Zentrum hinweisen,“ meinte Ulrich Materne (Wittenberge), Osteuropa­beauftragter der Deutschen Allianz, wiederholt in Kemerowo. „Christus ist das Zentrum.“

 

Wie bereits zu Sowjetzeiten kommt es vor, daß Reiseprediger die abgestimmten Pläne und Absprachen der örtlichen Pastorenschaft durcheinanderwirbeln. So geschah es vor kurzem in Kemerowo als ein Prediger aus Armenien seine Landsleute in den baptistischen und pfingstlerischen Gemeinden aufsuchte und somit den zwischengemeindlichen Frieden vorerst beendete.

 

In Moskau

Vor dem Abflug nach Kemerowo waren Materne und Dr. Wladimir Rjagusow (Krasnodar), ehrenamtlicher Präsident der Russischen Evangelischen Allianz, beim Besuch von Kirchenvertretern in Moskau unterwegs. Besonders ermutigend waren für sie die Gespräche mit dem methodistischen Bischof Hans Växby und Dietrich Brauer, dem jungen, erst im Sommer eingeführten Bischöflichen Visitator der „Evangelisch-Lutherischen Kirche im Europäischen Rußland“ (ELKER).

 

Eine bunte Durchmischung der Konfessionen ist bei der kommenden Jahreskonferenz der Russischen Allianz sicher: Sie ist für den 17. und 18. März 2011 in Moskau vorgesehen. Das Thema lautet: „Der Beitrag der evangelischen Christen zur gegenwärtigen russischen Gesellschaft“. Dazu sind alle eingeladen.

 

(Beitrag gekürzt)

 

Dr.phil. William Yoder

Moskau, den 27. November 2010
Pressedienst der Russischen Evangelischen Allianz

 

Eine Veröffentlichung der Russischen Evangelischen Allianz. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, eine einheitliche, offizielle Position der Allianz-Leitung zu vertreten. Meldung Nr. 10-28, 577 Wörter oder 4.365 Schläge mit Leerzeichen.