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Franklin Graham - Bibelkommentar

Moskauer Gipfel des Franklin Graham abgesagt

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Russische Orthodoxie mit Planung der Synode auf Kreta voll beschäftigt

 

M o s k a u -- Inoffiziell wurde am 19. Mai in Moskau bekannt, daß der gemeinsam von der “Billy Graham Evangelistic Association”, der Russischen Orthodoxen Kirche und dem russischen Staat geplanten “Weltgipfel zur Verteidigung verfolgter Christen” abgesagt oder zumindest verschoben worden ist. Der Weltgipfel hatte vor, rund 1.000 leitende Christen aus bis zu 150 Ländern vom 28. bis 30. Oktober 2016 nach Moskau zu holen.

 

Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, führt die Entscheidung auf die Fülle anderer Fragen, die die ROK gegenwärtig belasten, zurück. Nach seinen Beobachtungen hat die Entscheidung des Patriarchen Kirill, sich am 12. Februar mit Papst Franziskus in Havanna zu treffen, zu erheblichen Unruhen innerhalb der ROK geführt. Deshalb müsse die russische Orthodoxie alle vorhandenen Kräfte aufbieten, um die Vorbereitungen auf die “Heilige und Große Synode”, die vom 16. bis 27. Juni auf Kreta stattfindet, in die Wege zu leiten. Dieses Zusammenführen der Oberhäupter aller autokephalen orthodoxen Kirchen ist seit 1961 in Vorbereitung und soll die bedeutendste Versammlung der byzantinischen Kirchen seit dem Zweiten Konzil von Nicäa im Jahre 787 darstellen!

 

Trotz aller Widerstände steht Kirill in seiner Entscheidung, sich mit dem Papst zu treffen, keineswegs allein. Bartholomeos I., der “Ökumenische Patriarch von Konstantinopel” und rechtliches Oberhaupt aller 300 Millionen orthodoxen Gläubigen, wohnte im März 2013 der Amtseinführung des gegenwärtigen Papstes bei. Die beiden trafen sich wieder am 16. April 2016 auf der griechischen Insel Lesbos. Bartholomeos war der erste Ökumenische Patriarch, der bei der Amtseinführung eines römischen Papstes zugegen war, seit der Spaltung der beiden Großkirchen im Jahre 1054.

 

Nach Wlasenko haben sowohl die Orthodoxie als auch der russische Staat den Moskauer Kongreß ernstgenommen. Die Entscheidung, ihn abzusagen oder zu vertagen, sei ihnen nicht leichtgefallen. Die BGEA hat sich die Zustimmung der russischen Orthodoxie Millionen kosten lassen – erst recht, wenn man die wenigen Millionen mitzählt, die die Organisation “Samaritan's Purse” für die humanitäre Hilfe unter den ukrainischen Flüchtlingen in den Westgebieten Rußlands im Laufe der vergangenen 12 Monate ausgegeben hat. Das “Russisch-Amerikanische Forum christlicher Leiter”, das die BGEA im November 2014 in Charlotte/North Carolina durchgeführt hat, wird heute als Maßnahme zur Erzielung von Wohlwollen seitens der Orthodoxie gewertet. Metropolit Hilarion, Leiter des Außenministeriums der ROK, war bei dieser Zusammenkunft ein gefeierter Gast.

 

Da in Osteuropa die von Genf ausgehende ökumenische Bewegung im wesentlichen der Vergangenheit angehört, hat die alternative Ökumene der ROK die von Franklin Graham geführte BGEA als eine mögliche und notwendige Brücke zum Westen hin angesehen. Die russische Kirche und ihr Staat begreifen sich als eine Alternative zum übermäßig toleranten und konturlosen Christentum Westeuropas und Nordamerikas. Am 21. Mai zitierte die Wiener Stiftung „Pro Oriente“ Hilarion anläßlich einer Feierstunde zum 70-jährigen Bestehen des Außenamtes des Moskauer Patriarchats: „Die Gegensätze zu jenen reformatorischen Gemeinschaften, ‚die die Lehre der Kirche verdrehen, um sie den säkularen Standards anzupassen’, seien intensiver geworden. Das Moskauer Patriarchat sei aber jederzeit zur Zusammenarbeit mit jenen Repräsentanten der protestantischen Welt bereit, ‚die der Moral des Evangeliums und den Traditionen des Dialogs treu bleiben’. Als Beispiel nannte der Leiter des kirchlichen Außenamts die ‚Billy Graham Evangelistic Association’.“

Nichtsdestotrotz hält sich die Trauer der russischen Protestanten bezüglich der Kongreß-Absage in Grenzen. Sie stimmen dem konservativen, auf traditionelle Werte zielenden Weltbild Grahams voll zu, meinen jedoch, das Ereignis selbst sei völlig ohne ihr Hinzutun in die Welt gesetzt worden. Bereits in North Carolina war sichtbar, daß die russischen Protestanten als Chormitglieder herzlich willkommen waren, doch dessen Dirigenten waren Nordamerikaner und russische Orthodoxe.

 

Roman Lunkin, ein leitender russischer Religionskundler mit Beziehungen zum Keston College in England, betonte, daß das vorgesehene Ereignis zutiefst politische Wurzeln hat - die Moskauer Stadtregierung gehörte zu den offiziellen Gastgebern. Der Moskauer Pastor Sergei Wdowin, Generalsekretär der Russischen Evangelischen Allianz, verwies auf die Asymmetrie in einem Brief vom 8. April: „Angesichts ihres Erbes kann eine Organisation wie die BGEA sich gar nicht anders verhalten, wenn sie überleben und gedeihen will. Wenn es sich um das Erreichen von Zielen dreht, sucht sie nach mehr oder weniger ebenbürtigen Partnern. Würde ich danach gefragt werden, ob ich die Unternehmungen der BGEA unterstützen möchte, würde ich antworten: 'Nein, danke, jedenfalls bis auf Weiteres.' Leider gehört die BGEA einer anderen Welt als jener unserer Evangelischen Allianz an.“ Sehr wahrscheinlich verfügt die BGEA über ein größeres Budget als alle protestantischen Kirchen Rußlands insgesamt.

 

Eher positiv läßt sich konstatieren, daß das Absagen des Kongresses zum Stillen der Stürme beitragen kann, die deren Vorbereitung bereits ausgelöst haben. Roman Lunkin bezweifelt, ob der Kongreß im November eine öffentliche Diskussion über Fragen der Glaubensfreiheit innerhalb der russischen Interessensphäre zulassen würde. Damit wären vor allem die muslimisch-regierten Republiken Zentralasiens gemeint. Zumindest einige westliche Organisationen haben ihre Teilnahme im November davon abhängig gemacht, ob diese Problematik zur Sprache kommt. Doch plötzlich sind alle Fragen bezüglich der Konferenz nicht mehr aktuell.

 

Die protestantischen Blogger der Ukraine haben sich bezüglich des November-Ereignisses umfassend geäußert. Ein Beitrag verglich die Konferenz mit einem Treffen über die Rechte der Christen im Büro des Imperators Nero. Der Schreiber nannte den Kongreß einen Ausdruck “des höchstmöglichen Grades an Bestialität”. Auf seiner Facebook-Seite am 5. April griff ein häufiger Besucher der USA, der bekannte Pfingstpastor und Militärseelsorger Gennadi Mochnenko (Mariupol), zu einer Vulgarität, um Franklin Graham zu beschreiben. Bezüglich der Person Wladimir Putins fügte er hinzu: “Hitler wurde ebenfalls für einen Verteidiger christlicher Werte gehalten.”

 

Ein Lichtblick bildete jedoch eine Äußerung der Ukrainerin Iralija Moiseenko. Auf Facebook merkte sie an, der arm- und beinlose, australische Amerikaner Nick Vujcic habe völlig zwischenfallfrei vor großen Versammlungen in der Ukraine und Rußland gesprochen. “Er hat aber natürlich einen anderen Auftrag: Er fährt nicht irgendwo hin, um sich mit Politikern zu treffen. Er kommt, um sich mit dem Volk zu treffen.“

 

Vorsicht: Kommentar

 

Ich hege Bedenken, wenn sich die russische Öffentlichkeit bemüht, sich als gesunde moralische Alternative zur westlichen Dekadenz zu präsentieren. Zu viele moralische Fragen bleiben in Rußland ungelöst – die sehr hohe Zahl von Vätern, die ihre Familien im Stich lassen, z.B. Doch vielleicht will die russische Orthodoxie nur behaupten, über eine bessere Theologie zu verfügen. Jedenfalls habe ich viel Verständnis für die geopolitischen Ängste Rußlands bezüglich einer sich unaufhörlich nach Osten ausweitenden NATO.

 

Ich bedaure die Stornierung oder Aufschiebung des von BGEA und ROK inszenierten Globalforums über die Glaubensverfolgung. Es hätte durchaus für frische Luft sorgen können; es wäre etwas ganz anderes gewesen als ein Mitsingen im Chor der Gleichgesinnten in Washington oder Kiew. Es hätte sogar eine Phase verstärkter Glaubensfreiheit in Rußland und auch anderswo einleiten können.

 

Auf Bitten um ein Interview hat die BGEA nicht reagiert.

 

1.078 Wörter

 

Feierlichkeiten zum Jahrestag der russischsprachigen Bibel abgeschlossen

 

Trotz des besorgniserregenden Anwachsens von Spannungen zwischen Ost und West sind die Beziehungen der Protestanten zum russischen Staat noch kaum in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Konzert am 24. Mai beendete eine Reihe von Veranstaltungen, die dem 140. Jahrestag der Russischen Synodalbibel gewidmet war. Ein Höhepunkt war ein Fest und christliches Rockkonzert im Moskauer Jekaterinski-Park am 22. Mai. Die Feierlichkeiten, die bereits im Februar angelaufen sind, bestanden u.a. aus öffentlichen Bibellesungen, Reklameschildern, Web- und Twitterseiten sowie der Losung “Ich lese die Bibel”. Man findet die russischsprachige Webseite unter der kyrillischen Anschrift: “ячитаюбиблию.рф”. Den Organisatoren der Feierlichkeiten ist auch das Recht eingeräumt worden, jedem Insassen im russischen Strafsystem mit einer Bibel zu versorgen.

 

Diese Feierlichkeiten wurden vor allem durch die logistische Unterstützung und einen Zuschuß von 1,4 Millionen Rubeln seitens des russischen Staates ermöglicht. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß diese Spende weder der Russischen Bibelgesellschaft noch der Russischen Orthodoxen Kirche gewährt wurde. Empfängerin war stattdessen die Union der russischen Baptisten; die Veranstaltungen wurden von Pastor Witali Wlasenko, deren Abteilungsleiter für Außenbeziehungen, angeleitet. Wlasenko und andere protestantische Leiter – der Moskauer Pfingstpastor Alexander Kusnezow z.B. -  haben ihre Genugtuung bezüglich des positiven Ergebnisses der Maßnahmen zum Ausdruck gebracht.

 

Die Synodalbibel, die erste vollständige, russischsprachige Bibel in der Mundart des Volkes, war 1876 erschienen.

 

209 Wörter

 

Dr. phil. William Yoder
Smolensk, den 25. Mai 2016

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