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Denkmäler kommen und gehen - Metropolit Onufrij - Dmitri Lotow

Ukraine: Lenin geht, ein anderer kommt

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Monumente kommen, andere gehen

 

Kommentar

 

M o s k a u – Nach langen Auseinandersetzungen wurde am 19. März ein bekanntes Standbild von Lenin in der ostukrainischen, von Kiew kontrollierten Stadt Saporoschje zu Fall gebracht. Die Facebook-Seite von Sergey Rakhuba, dem in Chicago lebenden Direktor der “Mission Eurasia”, gehörte zu denen, die Gott rühmten wegen des Niedergangs eines Hauptsymbols vergangener Tage.

 

Mein Kommentar: Mir gefallen die Denkmäler Lenins auch nicht; ohne sie sehen die Marktplätze Osteuropas schöner aus. Das Leninsche Erbe ist zu hinterfragen. Doch das Lob Gottes anzustimmen, ehe die 46+ Denkmäler (siehe Wikipedia) zu Ehren des Faschisten Stefan Bandera ebenfalls zu stürzen beginnen, ist bedenklich verfrüht. Das Rote ist dem Braunen vorzuziehen.

 

Auf Facebook schreibt Rakhuba: Das Denkmal “war übermäßig vielen älteren Menschen, die auf die Rückkehr der UdSSR setzten, lieb und teuer. Es brauchte fast 25 Jahre, um die erforderliche Entscheidung zu fällen. Augenzeugen berichten: Als das abgewrackte Denkmal abgefahren wurde, haben ältere Menschen in der Menge bei dieser letztmaligen Verabschiedung die Tränen aus dem Gesicht gewischt. Andere haben sich bekreuzigt oder verneigten sich, als der Götze abgekarrt wurde.” Ich bezweifele, daß es viele im politischen Westen gibt, die das Erbe und die Denkweise dieser Menschen zu verstehen versuchen.

 

190 Wörter

 

Weitere Nachrichten

 

Gegen Ende 2015 ist der Moskauer Baptist Yuri Apatov, der langjährige Generalsekretär der Euro-Asiatischen Föderation der Unionen der Evangeliumschristen-Baptisten, nach Israel umgezogen. Berichten zufolge ist ein Nachfolger noch nicht ernannt worden; ein Treffen ihrer Vertreter soll Anfang April in Minsk stattfinden. Bisher wurde die Föderation als Nachfolge­organisation des einstigen, sowjetischen “All-Unionrates der Evangeliumschristen-Baptisten” erachtet, denn sie umfaßte alle nationalen Bünde bis auf jene im Baltikum und in Georgien. Doch die durch Krieg verursachten Spannungen zwischen der ukrainischen und der russischen Union könnten sehr wohl das Aus für diesen russischsprachigen, internationalen Baptistenbund bedeuten.

 

In den letzten Wochen nahmen die Spannungen und Schießereien in der Ostukraine wieder zu. Anläßlich des Anfangs der orthodoxen Fastenzeit am 14. März schrieb Metropolit Onufrij (Beresowski), Oberhaupt der „Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats“: „Die Tränen der Witwen und Waisen rufen alle Verbitterten dazu auf, den Weg des Krieges zu verlassen und den Pfad des Friedens zu beschreiten.“ Nach orthodoxem Brauch beginnt die Fastenzeit mit dem Sonntag der Vergebung, und „der Friede kehrt im Lande der Ukraine erst wieder ein, wenn Vergebung stattfindet. Der Friede ist keine Niederlage – er ist vielmehr der einzige wahre Sieg. Nur er kann die Sünde austilgen und deren zahlreiche Folgen heilen.“ Zum Schluß betonte er, daß „eine Feindschaft zwischen Christen nicht zulässig ist, weder aus materiellen, politischen, nationalen noch religiösen Gründen.“

 

Onufrij, oberster Leiter der größten orthodoxen Kirche der Ukraine, ist ein waschechter Ukrainer, geboren 1944 im westukrainischen Gebiet von Tschernovtsi (oftmals “Czernowitz” auf Deutsch). In diesem Jahr findet das orthodoxe Osterfest ausgerechnet am 1. Mai statt.

 

Bereits am 29. Mai 2015 wurde eine Moskauer “St.-Peter-und-Paul-Gemeinde” - diese wird von Pastor Dmitri Lotow geleitet - von der in St. Petersburg beheimateten „Evangelisch-Lutherischen Kirche Ingermanlands in Rußland (ELKIR)“ offiziell als Mitglied aufgenommen. Diese Gemeinde trifft sich in säkularen Räumlichkeiten, hofft jedoch auf den Erwerb eines passenden Gebäudes, sobald ausreichende Gelder vorhanden sind. Rund 70 Personen besuchten den Gottesdienst, den ich am 20. März aufsuchte.

 

Zwei Gemeinden mit demselben Namen existieren seit einer Spaltung im Herbst 2010. Seitdem wird diskutiert, welche Gemeinde eigentlich die „erste“ oder die „zweite“ sei. Pastor Lotow versteht seine Gemeinde als die ursprüngliche, neugegründet im Jahre 1992. Sie wurde 2010 gezwungen, die Kathedrale zu verlassen. (Siehe unsere Meldung vom 4. November 2012.)

 

Bischof der finnischgeprägten ELKIR ist Arri Kugappi. Die Gemeinde, die sich in der St.-Peter-und-Paul-Kathedrale trifft, gehört der eher deutschgeprägten „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rußland“ an. Ihr Erzbischof ist Dietrich Brauer.

 

Dr. phil. William Yoder
Smolensk, den 3. April 2016

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